Gefrustet bloggen geht eigentlich gar nicht, heute mach ich es aber mal. Ich weiß auch noch nicht mal, ob ich gefrustet bin oder nur müde.

Neulich habe ich im Blog einer Alleinerziehenden von ihrem harten Alltag gelesen, was mich immer wieder sehr beeindruckt.Ehrlich, ich glaub‘ ich würde das nicht schaffen, muss ich aber ja auch zum Glück nicht. (https://mutterseelesonnig.wordpress.com/)

Sie schrieb, dass die Belastungsgrenze von Menschen sehr unterschiedlich sei, und auch die teilzeitarbeitende Mami mit engagiertem Ehemann, Putzfrau und Yoga-Abo sich gestresst fühle. Autsch, da habe ich mich ja so was von angesprochen gefühlt.  Ich gebe zu: Mein Mann ist definitiv engagiert, einmal die Woche kommt meine gute Fee und betreibt Schadensbegrenzung im Haushalt, Mittwochs gehe ich zum Yoga und ich arbeite auch „nur“ (ansichtssache) zwischen 25 und 35 Wochenstunden. Diese Arbeitsstunden verteilen sich auf Montag bis Donnerstag Mittag, dann bin ich dreieinhalb Tage Vollzeitmama und manchmal sogar richtig relaxt.

Warum also bin ich doch so unentspannt oder einfach nur müde? Ich glaube bei mir ist es die Taktung. In meinen Stunden auf der Arbeit versuche ich möglichst viel aus der Zeit rauszuholen. Ich arbeite also sehr intensiv, schaue ständig auf die Uhr und renne (echt jetzt) gegen 15.40 Uhr zum Auto, nachdem mich mein Outlook bereits mehrfach darauf aufmerksam gemacht hat, dass mein Termin „Abwesend“ längst überfällig ist. Mein gewünschtes Tagespensum habe ich trotzdem nicht erreicht. Ich düse zur Tagesmutter, nehme den „Auto“, nicht „Mama“ rufenden Tristan in Empfang und kämpfe mich durch drei Baustellen, um pünktlich zur Schließung des Kindergartens um 16 Uhr Helen einzuladen. Meist schaukeln wir dann vorm Kindergarten noch eine Runde, die Mäuse legen sich ins Nestchen und ich schubse an. Meine Therapie zum Runterkommen und Adrenalinspiegel senken.

Den restlichen Nachmittag versuche ich, eine aufmerksame Mama zu sein und die Zeit mit den Kindern schön zu nutzen. Manchmal holen wir uns am Nachhauseweg noch ein Eis oder treffen eine Freundin, wir spielen im oder ums Haus oder wir gehen bei uns in der Straße noch Fahrrad bzw. Bobbycar fahren. So harmonisch klappt das aber auch nicht immer. Nicht nur ich hatte einen anstrengenden Tag, sondern auch die Kinder. Manchmal sind sie motzig, wissen nichts mit sich anzufangen. Letzten Mittwoch ist Tristan schnurstracks auf’s Sofa gegangen und hat „an“ gerufen, er wollte fernsehen. Auch wenn ich eigentlich gegen mediale Beschallung am nachmittag bin, bin ich seinem Wunsch nachgekommen und hatte selber herrliche 10 Minuten in der Sonne mit einem Kaffee und dem schlechten Gewissen, dass die Kinder so kaputt waren.

Irgendwann kommt dann mein Liebster, der meist erst mal mit Hund und Sohn in den Wald geht. Wäre ich Katholik würde ich mich wahrscheinlich bekreuzigen, wenn sein Auto um die Ecke biegt. Zu zweit ist es dann auch viel leichter, Abendessen zuzubereiten und die Kinder ins Bett zu bringen.

Egal wie müde sie sind, von Schlafen halten sie ja beide nicht so viel. 25 Gutenachtlieder, zig gelesene Geschichten und gekraulte Rücken später ist es oft schon halb neun, bis Ruhe einkehrt. Tristan meldet sich jede Nacht noch zweimal und will in guten Fällen Milch trinken, in nicht so guten Aufstehen.

Wenn die Kinder schlafen und grob aufgeräumt ist, widme ich mich meist der Nähmaschine und genieße es, mich nur auf eine Sache konzentrieren zu dürfen. Oder ich blogge, so wie heute, weil mein Liebster mit Kunden essen gehen muss. Oder ich bearbeite Fotos. Irgendwas mach ich jedenfalls immer. Mein Mann hat mir vorgeschlagen, ich solle mal testen wie es so ist, nach 15 Minuten aufräumen einfach nur auf die Coach zu gehen und Fernseh zu schauen. Ich habe es mir fest vorgenommen, aber ich schaff es einfach nicht. Ich glaube mein Problem ist, dass mir einfach zu viele Dinge Spaß machen und wichtig sind und ich auf nichts davon verzichten möchte.Mein Tag bräuchte nur eben 36 Stunden, um das unterzubringen.

Außerdem soll nochmal einer sagen, bloggen sei keine Therapie! Jetzt geht es mir schon wieder viel besser.

Ich glaub ich trink jetzt noch ein Glas Wein und schreibe meine To-Do Liste für Morgen: ganz oben ist der dringend zu vereinbarende Kinderarzttermin, gleich danach kommt der Termin in der Autowerkstatt. Tristan hat Samstag einen Einkauschip und einen Euro in den CD-Schlitz des Bordcomputers geworfen, was die gesamte Elektronik außer Gefecht gesetzt hat. Keine Musik, kein Licht, keine Strecken-/Tankinfo, nada! Aber wisst ihr was? Erstens sind wir gesund und eine meist ziemlich glückliche wenn auch chaotische Familie und zweitens ist heute Dienstag und somit schon wieder Bergfest.

Alles Liebe von eurer verwöhnten Yoagamutti Elli 😉

 

 

 

 

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