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Ihr Lieben,

kennt ihr das? Ihr geht mit den Kindern einkaufen und hinterher sind sie pappsatt. Freitag vormittags zelebrieren wir das ja regelrecht, wenn ich an meinem freien Tag traditionell mit den Kindern auf den Markt gehe. Am Obststand gibt es ’ne Banane geschenkt, beim Bäcker ein Brötchen, beim Metzger Fleischwurst, am Blumenstand was Süßes und zum Abschluss noch ein Eis, wenn ich gemütlich meinen Milchkaffee schlürfe. Freitags gehört das zum Programm und ich plane schon gar kein Mittagessen mehr.

Es gibt aber auch andere Tage, so ganz normale eben, da nervt mich das gewaltig. Am Freitag das i-Tüpfelchen.

Unser Obst und Gemüse kaufe ich nur selten beim Discounter, sondern entweder am Markt oder eben beim kleinen Gemüsegeschäft im Städtchen. Da zahlt man locker das doppelte und dreifache, aber das ist es mir wert. Es ist frisch, appetitlich und von toller Qualität, außerdem mag ich kleine Lädchen, wo man noch so richtig bedient wird und auch mal die Zusammensetzung der Gemüsesuppe besprechen kann. Seit Freitag habe ich nun aber den Ruf als hysterische Mutter weg und finde es ganz okay so.

Aber von Anfang an: Freitag Abend, 17.30 Uhr, ich fahre mit Helen noch schnell zum Obst- und Gemüseladen, um für’s Abendessen einzukaufen. Helen läuft wie immer entzückt durchs Geschäft. „Mmh, lecker, Honigmelone“, „Mama, schau mal die Baby-Erdbeeren“, „Ohhh, Nektarieeenen!“. Das Kind ist ganz eindeutig ein Obstfan und ich kaufe neben 2 kilo Spargel und ein paar Möhren noch eine Riesentüte frisches Obst ein. Während ich überlege, ob ich alles habe, greift die Verkäuferin unter den Tresen und reicht meiner Tochter an mir vorbei ein Päckchen Gummibären. Ich brauche ein paar Sekunden, um es zu realisieren, normalerweise wird wenigstens gefragt, entreiße meiner Tochter die Gummibärchen und drücke sie der Verkäuferin in die Hand. „Wissen Sie“, sage ich, „ich verstehe einfach nicht, warum Sie im Obstladen Gummibärchen verteilen“. Die Verkäuferin schaut mich verdattert an und in dem Moment geht das Geheule meiner Tochter los, die die Welt nicht mehr versteht: Wie gewonnen, so zerronnen.

Irgendwie hat das natürlich der Situation eine Dramatik gegeben, die ich so nicht wollte. Ich erkläre mich also:

„Beim Bäcker gibt es Brötchen, beim Metzger Fleischwurst, warum dann im Obstladen Gummibärchen?“

„Die mögen die Kinder am Liebsten“

„Aber Sie müssen die doch mit ihren Produkten anfixen“

„Ja, aber nicht alle Kinder mögen Obst.“

„Ich gehe bei Ihnen einkaufen, weil ich Wert auf gute Lebensmittel lege, wie wahrscheinlich die meisten Mütter und Väter, die zu Ihnen kommen. Da passen die Gummibärchen echt nicht ins Konzept. Schenken Sie den Kindern Obst, oder von mir aus kleine Schachteln mit Rosinen, wie im Reformhaus.“

„Mmh, werde das mal ansprechen.“

Meine Tochter heult immer noch herzergreifend.

Ich sage: „Schatz, wir essen jetzt gleich ganz viel Spargel (Helen verputzt davon Unmengen) und danach bekommst du eine Nektarine.“

Ich doofe Kuh erkläre mich auch noch vor der Verkäuferin und sage „Ich verteufle nicht generell Zucker und Süßigkeiten, meine Kinder dürfen das auch essen, aber eben nicht permanent und unkontrolliert und an jeder Ecke werden sie einfach damit vollgestopft.“

Die gutmütige Verkäuferin versucht meine Tochter zu trösten: „Die Mama hat bestimmt Gummibärchen zu Hause.“

Ich gebe auf und sage gar nichts mehr, die andere Verkäuferin im Laden jedoch reagiert und schenkt meiner Tochter eine Tüte Weintrauben.

Ich bedanke mich, betone noch, dass es mir nicht um’s was geschenkt bekommen geht und versuche meiner 5-jährigen am Heimweg zu erklären, warum ich das so gemacht habe und warum zu viel Zucker schädlich ist. Ich hoffe sie konnte es wenigstens im Ansatz verstehen, während sie zufrieden ihre Weintrauben mampfte.

Ich überlege ernsthaft, den Laden zu wechseln. Spätestens wenn ich da die erste Bio-Gurke in Plastik sehe (so absurd und gang und gäbe im Supermarkt), werde ich das tun.

Ach ja und hatte ich schon erwähnt, dass ich (nur ich, der Rest der Familie darf) seit 3 Wochen  komplett auf Zucker verzichte? Mag sein, dass mein (Über?) Reaktion damit zusammenhing, aber ich finde, das musste mal gesagt werden.

Wie seht ihr das?

Zuckersüße Grüße,

eure Elli

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