Ihr Lieben,

ich hoffe ihr habt Pfingsten besser überstanden als wir. Tristan war das ganze Wochenende krank und gerade wurden ihm Bronchitis und Mittelohrentzündung diagnostiziert.  Heute bin ich mit ihm zuhause geblieben, den Rest der Woche springt mein lieber Papa ein, bei dieser Krankheitswelle würde es langsam sonst echt eng mit meinem Job. Und dabei habe ich die wohl verständnisvollste Chefin überhaupt, aber ich würde meine Projekte nicht mehr auf die Reihe bringen und es wäre mir so schlimm, als Folge mit Belanglosem und Unkritischem Zeug betreut zu werden.

Tristankrank

Trotz allem hat mir der Besuch beim Kinderarzt heute mal wieder zu Denken gegeben. Ich schildere die Symptome und auch, dass der kleine Mann eigentlich seit Januar durchgehend Schnupfen hat, immer wieder in Kombination mit fiebrigen Infekten und Bronchitis.Er fragt: „Hat er Kontakt zu anderen Kindern?“ Ich: „Ja, er geht seit Oktober zur Tagesmutter und hat eine große Kindergartenkind-Schwester“ Er. „Ja dann, kein Wunder…. Früher hatten die Kinder solche Infekte mit 3 oder 4 Jahren, heute entsprechend mit 1 oder 2.“

Da klopft dann doch mal kurz die Rabenmutter an meine Seele und fragt: „Ist das alles richtig so wie du es machst?“ Ich weiß es auch nicht so genau, eigentlich fühlt es sich richtig und gut an und ich bin so froh beides zu haben: Eine Familie und einen Job, die mich ausfüllen. Kinder, die gerne in die Betreung gehen und mit denen ich viel Zeit verbringen darf. Ein Arbeitgeber, der mich flexibel arbeiten lässt und mich nicht drängt, die Stundenzahl hochzusetzen, trotzdem aber mit mir rechnet. Einen Papa, der immer parat ist und uns unterstützt.

Und trotzdem bricht es mir das Herz wenn ich sehe, dass der eigentlich so wilde Tristan sich kaum auf den Beinen halten kann. Ich hoffe jetzt, dass das Antibiotikum schnell anschlägt.

Auch letzte Woche hatte ich mal wieder alle Hände voll zu tun, alles unter einen Hut zu bekommen. Mein Bester war wieder für 7 Tage in den USA und ich quasi alleinerziehend mit meinen beiden Sprossen und Zora.

Ich schildere euch jetzt mal meine ersten zweieinhalb Stunden am Montagmorgen und ihr macht euch eure eigene Meinung:

5.45 Uhr: Tristan ruft lautstark „Babba, Babbaaaa, BABAAAA….Mama, Mamaaa, MAMAAA…“ Ich tue so als hätte ich nichts gehört. Ein kurzer Moment der Stille, ich hoffe auf weitere 15 Minuten bis mein Wecker klingelt. Vergebens. Tristan trällert ein fröhliches Lied. „Rums“ Das war die Milchflasche, die er durch sein Zimmer schleudert, ein untrügliches (tägliches) Zeichen, dass er es ernst meint mit dem Aufstehen. „Klack“ Das war der Schnuller, der aus dem Bett fliegt. Jetzt ist es rum. „Wuahhhhhh“ schwillt es immer weiter an und ich qüäle mich aus dem warmen Bett. „Guten Morgen mein Schatz, hast du gut geschlafen?“ (ich kann ja jetzt nicht noch motzen, immerhin hat er 12 Stunden – okay, mit 2 Unterbrechungen – geschlafen). Ich ziehe die Rolladen hoch – wow, immerhin strahlender Sonnenschein, ein Lichtblick an einem frühen Montag im wahrsten Sinne des Wortes. Kurz kuscheln, dann ab auf die Wickelkommode, unter Protest der übelsten Sorte und Aufwendung all meiner Montagmorgen-Kräfte, ziehe ich Tristan eine frische Windel und ein Tagesoutfit an.

6.00 Uhr: In der Küche angekommen. Ich setze Tristan auf sein Stühlchen, stelle die Kaffeemaschine und den Wasserkocher an.Tristan ruft schon „daaaa -daaaaa“ und zeigt wild auf alle möglichen Schränke. Schnell stelle ich ihm einen Becher mit frischgepresstem O-Saft hin (den ich Samstag gekauft habe). Gierig reißt er ihn an sich und schlabbert das erste Mal, noch bevor ich das Lätzchen um seinen Hals geworfen habe.

Ich schaue in die Brotschublade: Mist, vergessen zu kaufen. Also Toast. Während der Toast toastet nippe ich das erste Mal an meinem Kaffee. Tristan wird langsam ungeduldig und ich versuche ihn zu beschwichtigen „Momeeeent, gleich fertig.“ ich hole Butter und Marmelade aus dem Kühlschrank, haste zurück zum Toaster, drücke verfrüht „Stop“ weil Tristan droht, Helen mit seinem Gebrüll zu wecken und schmeiße Brettchen, Messer und Toast auf den Tisch. Ich greife nach meinem Kaffee, der immer noch auf der Arbeitsplatte auf mich wartet. Fehler. Tristan hat in der Millisekunde „Rücken zudrehen“ versucht, den Toast über den Tisch zu greifen und schmeißt seinen Becher Saft um. Okay, ganz ruhig. ich wische die Sauerei auf und schmiere endlich Tristans Toast, schneide ihn in Stückchen, schiebe sie ihm rüber und er mampft erst mal zufrieden. Ich trinke Kaffee. Endlich. Tristan isst drei Stückchen. Um Zeit zu schinden serviere ich ihm noch frische Beeren. Er will trotzdem vom Stuhl runter.

Tristanfrühst

6.10 Uhr: Tristan rast durch die Wohnung während ich Tee aufgieße und Gemüse für die Brotdosen schnippel. Nervös renne ich alle paar Sekunden ins Wohnzimmer um zu schauen, was er anstellt. Alles super, er räumt nur Spielzeugkisten aus.

6.20 Uhr: Ich schnappe mir Tristan, der leider nicht unbeaufsichtigt bleiben darf und gehe mit ihm nach unten ins Bad. Während ich Zähne putze, mich wasche und notdürftig schminke rollt er das Klopapier ab, kippt den Müll um, klaut meinen Concealer und schmiert ihn sich ans T-Shirt und setzt sich in die Dusche (die natürlich noch vom Vorabend nass ist) und versucht, das Shampoo zu trinken. Ich schaue in den Spiegel und entscheide, dass der Haarglätter eigentlich überbewertet ist. Ich putze Tristan unter lautem Protestgebrüll (aber dabei macht er wenigstens den Mund auf) die Zähne.

6.30 Uhr: Tristan und ich gehen ins Schlafzimmer und ich ziehe mich an, während er alle Schlüssel vom Schrank abzieht und immer wieder versucht, zu entkommen. Er weiß offensichtlich was ihm blüht: Genau, ein sauberes und trockenes Outfit.

6.40 Uhr: Wir gehen zu Helen ins Zimmer und wecken sie. Völlig verschlafen weiß die kleine Maus gar nicht was ihr geschieht. Tristan klettert zu ihr aufs Bett und kuschelt, ich streichel ihr noch ein bisschen den Rücken.

6.45 Uhr: „So Schatz, du musst jetzt wirklich aufstehen. Wir sind spät dran. Die Sonne scheint. Ich ziehe Helen an (auf ein Outfit haben wir uns schon am Vorabend geeinigt). Wir gehen wieder in die Küche.

6.55 Uhr: Ich mache die Brotdosen fertig, Helen und Tristan sitzen am Tisch und essen Erdbeeren. Ich mache Helen einen Kakao, Tristan will natürlich auch einen. Das zweite Glas für diesen Morgen kippt über den Tisch, ich putze mal wieder. Helen ist lieberweise damit einverstanden, im Wald weiterzufrühstücken. Ich toaste ihr zwei Toast, klappe sie zusammen und drücke sie ihr in die Hand.

7.05 Uhr: Schuhe an, Zora rufen, Tristan in den Buggy und ab gehts. Gott sei Dank ist gutes Wetter. Wir drehen unsere Runde. Tristan will sofort aus dem Buggy raus, selber laufen und den Buggy selber schieben. Helen pustet jede Pusteblume. Die beiden sind so süß, aber die Uhr tickt. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und treibe die Truppe spielerisch voran. Draußen ist es herrlich, hellgrün frühlingsfrisch, unverbrauchte Luft, die Vögel zwitschern unfassbar laut. Im Wald treffen wir eine Truppe Wanderer, die natürlich ganz entzückt sind und mich ansprechen: „Also dass Sie um diese Uhrzeit schon mit den Kindern in die Natur gehen, das ist ja wirklich so toll….“ Ich lächle freundlich und denke nur „Wenn die wüssten…“

TristanWald

7.30 Uhr: Wir sind wieder zuhause. Helen beaufsichtigt Tristan, während ich die letzten Handgriffe erledige: Hund füttern, Kindergartenrucksack packen, Arbeitsrucksack bereit stellen, Handtasche packen. Zwei Wassermelonen für Kindergarten und Tagesmutter und… da war doch noch was, an das ich denken musste….ach ja, die Tagesmutter hat keine Wechselklamotten mehr. Ich renne runter und suche zwei Outfits zusammen. „Abfahrt“ rufe ich. Da fällt Helen ein, dass heute „Mitbringtag“ ist. Schnell suchen wir noch ihre leuchtenden  Lillifee-Armreifen. Ach ja und Helen muss noch Zähneputzen. Hups, fast vergessen.

7.40 Uhr Ich setze die Kinder ins Auto, schnalle sie an und hole alle bereitgestellten Sachen und verlade sie.

7.42 Uhr: Wir fahren!

7.43 Uhr: Mir fällt ein, dass ich an alles gedacht habe, nur nicht an meinen Tee und an mein Mittagessen. Kurze Kehrtwende. Zora wundert sich, was ich schon wieder zuhause will und scheint etwas verlegen, dass ich sie auf der Coach erwische.

7.48 Uhr: Ankunft Tagesmutter. Tristan will heute nicht da bleiben. Ich verabschiede mich kurz und reuevoll und übergebe ihn trotzdem.

7.52 Uhr: Weiter geht’s Richtung Kindergarten. 10 Minuten Fahrtszeit. Ich knabber mein Knäckebrot, irgendwie habe ich es noch gar nicht geschafft zu frühstücken. ich wundere mich, immerhin bin ich um viertel vor sechs aufgestanden. Wird alles ganz schön knapp heute. Ich vereinbare schon im Auto mit Helen, dass sie sich heute ausnahmsweise die Hausschuhe selber anzieht.

8.03 Uhr: Ich küsse Helen und „werfe“ der Erzieherin die Wassermelone zu, schon bin ich wieder weg.

8.10 Uhr: Am Firmenparkplatz angekommen. Freude durchspült mich – ich schaffe es pünktlich.

8.15 Uhr: Das erste Meeting startet und ich sitze  leicht zerzaust, pünktlich und ziemlich stolz mittendrin…und schlürfe meinen mitgebrachten Tee.

Ja, so ist das. Anlass für die Beschreibung meines Montagmorgens ist übrigens eine liebe Freundin, die meinte sie bewundere, wie ich alles immer so toll schaffe 🙂

Liebes, ich finde es auch toll, dass ich es schaffe, über das wie lässt sich jedoch streiten.

Wie macht ihr das am frühen Morgen, wie organisiert ihr euch mit kranken Kindern?

Ich freue mich über jeden Tipp,

eure Elli

 

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