Tristan2Ihr Lieben,

wie wohl hinreichend bekannt habe ich zwei zauberhafte Kinder: Helen ist jetzt 5, Tristan 15 Monate alt. Wenn man sie nebeneinander sieht ist sofort klar, dass es sich um Geschwister handelt („Dem Vatter aus dem Gesicht geschisse“ wie unsere Freunde aus Mainz sagen würden). Außerdem schlafen sie beide schlecht und sind vom Grundgemüt fröhlich. Das war es aber auch schon ungefähr, so weit ich das bis jetzt beurteilen kann.

Schon als Baby habe ich Helen ein „Anfängerkind“ genannt, lebhaft aber lieb. Tristan ist wohl eher für Fortgeschrittene… Ein „kompetentes Baby“ hat meine Hebamme Tristan in den ersten Wochen genannt. Sie meinte damit, dass er ganz genau signalisiert, was er will und was eben nicht. Wenn ihm was nicht passte, hat er sofort losgelegt, bekam er dann seinen Willen, war sofort wieder alles gut.Bei Helen musste ich aufpassen, dass die Tage nicht zu unruhig waren. Sie hat z.B. Familienfeiern, an denen sie von Arm zu Arm gereicht wurde, gut verkraftet und die Quittung bekamen wir dann abends, wenn das Kind so durch den Wind war, dass sie sich gar nicht beruhigte. Tristan hat sofort gesagt „Stopp, bis hierhin und nicht weiter“ und ist abends selig eingeschlumert.

Inspiriert für dieses Thema hat mich ein Post vom tollen Blog Leni & Mo. Martina beschreibt einen verregnten Wintertag, an dem sie gemütlich mit dem Zwergenkind mit Holzfiguren spielt und Berge von Büchern liest. So kenne ich das auch von früher, mit Helen. Mit einem Jahr war sie das jüngste Mitglied der Stadtbücherei, stundenlang konnten wir auf der Coach lümmeln und Bilderbücher durchblättern. Ich war da immer ein bisschen stolz drauf, habe mir eingebildet, dass das an meinem/unserem guten Einfluss liegt: Selber bekennende Viel-Leser, vollgepackte Bücherregale, ausgewählte Kinderbücher, bildungsnaher Haushalt. Ha-Ha!

Tristan interessieren Bücher nicht die Bohne, keine 10 Sekunden bleibt er auf meinem Schoß, wenn ich damit ankomme. Er setzt sich drauf, beißt mal rein, schiebt es weg und haut ab. Nicht mal das Buch mit Reifen weckt sein Interesse im Ansatz.

Auch gemalt hat meine Tochter in dem Alter schon ganz leidenschaftlich. Wir bieten Tristan auch das immer wieder an, aber er will die Stifte  einfach nur Essen. Wenn er dann eine kunterbunte Zunge hat und wir ihm die Stifte irgendwann wieder wegnehmen gibt es Tränen. Ich glaube wir warten damit einfach noch ein paar Monate.

Unsere wunderbaren Ostheimer-Figuren nutzt Tristan als Wurfgeschosse, sonst nichts. Aber wie er wirft! Helen kommt da wohl eher nach mir (ich bin schon froh, wenn ich den Ball nicht versehentlich hinter mich werfe), Tristan schleudert wie ein Profi (oder sein Papa, der wirft auch 40 m weit).

Bei Tristan geht alles über Bewegung. Stundenlang – und das ist keine Übertreibung – sichern wir ihn beim Treppen steigen. Er klettert auf alles drauf und ist dabei wahnsinnig geschickt und kreativ. Er öffnet Schubladen und nutzt sie als Treppenstufen, schiebt seinen Activity-Würfel oder sonstige Spielsachen als Steighilfen vor sein ausgewähltes Ziel. Im Schwimmbad geht nichts ohne Schwimmflügel, weil er selbst im Babybecken auf den Rand klettert und kopfüber ins Wasser springt. Er sitzt nur minutenweise, ist eigentlich immer in Bewegung.

Bei der Tagesmutter hat er jetzt einen Dübel aus der Wand gezogen, gestern aus unserer Türzarge das Gummi rausgeholt und reingebissen. Die Phase in der er in jedes Stromkabel gebissen hat, liegt zum Glück hinter uns.

Wenn er manchmal nackig durchs Wohnzimmer rennt, klopft er sich mit beiden Fäusten auf die Brust wie Mini-KingKong. Zum Piepen!

Helen hat auf „Nein“ meist reagiert, Tristan gar nicht. Zum Glück habe ich damals nie kluge Sprüche gemacht, wenn ich mir insgeheim was auf mein gut erzogenes Kind eingebildet und leicht mitleidig die Schwerstarbeit von Müttern mit „Räuberkindern“ beobachtet habe. Zum Glück, denn jetzt habe ich den Oberräuber. Mein Mann hat unsere Tagesmutter gefragt,wie sie das bloß schafft, 5 Kinder und sich selber anzuziehen, bevor sie mit ihnen rausgeht, wenn die dabei alle abhauen. Sie hat gelacht und sagte nur „na ja, eigentlich haut nur einer ab…“.

Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Genetik und Sozialisation den Menschen je zu ungefähr 50 % ausmachen. Es gibt doch eine ganze Menge Anlagen, die einfach da sind, egal wie man erzieht und welchen Einfluss man zu nehmen versucht. Das erlebe ich an meinen beiden Mäusen sehr genau.

Ich freue mich über die so verschiedenen Kinder, auch wenn mich der kleine Räuber an solchen tristen Wintertagen, wo es nicht aufhört zu regnen und man kaum raus kann, auch mal an meine Grenzen bringt. Aber noch ein paar Tage, dann läuft er hoffentlich auch im Wald so sicher, dass er sich dort auch bei Regen und eisigen Temperaturen austoben kann – denn genau das braucht er: Die Möglichkeit zum Austoben. Dann schimpft wahrscheinlich die Große, die bei Mistwetter lieber in Ruhe malt.DSC_0122.JPG

Und wenn Tristan dann seinen zweistündigen Mittagsschlaf macht, kuschel ich mich mit meiner Tochter hin und wir lesen Bücher oder spielen was ruhiges. Sie muss ja auch zu ihrem Recht kommen, denn danach geht  wieder die Post ab!

Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft bringt und wie die Kinder sich entwickeln werden. Und hoffe ehrlich gesagt auch darauf, an der ein oder anderen Stelle vielleicht doch noch ein bisschen mehr Einfluss zu bekommen.

Zum guten Schluss muss ich euch noch einen süßen Pulli für den kleinen Mann zeigen. Schnittmuster ist der Pull*it*over von Sara & Julez.

Es ist ein wunderbarer, gut sitzender und wandelbarer Pulloverschnitt, ich habe mich hier für die Variante mit überlappendem Coil-kragen und seitlichen Eingriffstaschen entschieden. Alternativ bietet das Ebook aber auch Anleitungen für verschiedene Kapuzenvarianten, Stehkragen, Rollkragen, Kängurutaschen etc.

 

Habt einen schönen Freitag, und tschüss…Tristan4Eure Elli

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