Hallo ihr Lieben,

ganz schön ruhig war es hier diese Woche! Wir waren richtig krank: Tristan und ich hatten einen fiesen Magen-Darm-Virus mit Grippesymptomen und Helen hatte Bindehautentzündung und eine heftige Erkältung. Also war ich selber krank mit zwei Kindern hier zuhause – krank „feiern“ geht anders und ausruhen auch. Aber das kennt ihr vielleicht selber. Wenn ich so überlege fällt mir auch keine Situation in meiner Kindheit ein, in der meine Mama mal richtig krank und nicht einsatzfähig war. Mamas müssen eben immer funktionieren.

Vorgestern wurde Helen’s Wunschzettel abgeholt – über Nacht, von der Fensterbank, vom Christkind, wie ich erkläre. „Vom Weihnachtsmann“, wie Helen später ihrem Papa erzählt.

Nikolaus 2014

Ich verstehe das nicht, vehement, auch schon im letzten Jahr, erzähle ich vom Christkind, das an Weihnachten kommt und die Geschenke bringt. Ungerührt glaubt meine Tochter an den Weihnachtsmann, den ich noch nie erwähnt habe! Wie kann das sein?

Ein Riesenfaktor sind sicherlich die Medien. Auch ich mag Weihnachtsfilme wie „Rudolph mit der roten Nase“, „Nico, ein Rentier hebt ab“, „Der Grinch“ oder „Mickys fröhliche Weihnachten“. Und in all diesen Filmen spielt natürlich der Weihnachtsmann eine wichtige Rolle. Auf Kika läuft momentan „Weihnachtsmann & Co. KG“, nicht gerade mein Favorit aber auch das hat Helen gerade diese Woche, in der ich krank und dankbar für jede  Entlastung in der „Kinderbetreuung“ war, ein paar Mal begeistert geschaut. Regelmäßig leihen wir uns Bücher in der Stadtbibliothek aus und auch da gibt es zahlreiche Exemplare mit Weihnachtsmann am Cover – die gerne den Weg in die Tasche unserer Kleinen finden. Selbst in meinem Lieblingsweihnachtsbuch, das hier momentan jeden Abend vorgelesen wird „Weihnachten mit Astrid Lindgren“, kommt der Weihnachtsmann vor. Von Werbeplakaten etc. ganz zu schweigen.

Meine Tochter hat sich also nun ihre eigene Theorie zurecht gelegt. Hauptsächlich redet sie vom Weihnachtsmann, der mit dem Christkind die Geschenke bringt. Ein Team also. Ich muss sagen, damit kann ich leben. Ich bestärke sie also jetzt darin, dass die beiden das zusammen machen, denn ginge es ins Stechen, würde mein liebes Christkind auf jeden Fall den Kürzeren ziehen und wäre ganz raus.

Manchmal kommt meine Kleine ganz durcheinander, vor allem, wenn der Nikolaus noch mit ins Spiel kommt. Klar weiß ich, dass der eigentliche Nikolaus ein Bischof war und im Kindergarten erscheint er sogar in einem solchen Kostüm, die Schokoladennikoläuse zeigen aber – genau – das Bild vom Weihnachtsmann. Wie bitte soll man das denn noch logisch erklären? Ich komme da echt an meine Grenzen. Helen verspricht sich manchmal und verwechselt in ihren Erzählungen dann Nikolaus und Weihnachtsmann, korrigiert sich dann kichernd selber. Panisch schießen mir dann abstruse Erklärungsversuche durch den Kopf, aber wisst ihr was? Sie wundert sich da gar nicht drüber. Für sie scheint dieses Nikolaus-Weihnachtsmann-Christkind-Chaos total in Ordnung zu sein. Nur ich komme damit nicht klar, in meiner kleinkarierten Erwachsenen-Logik. Aber ich hänge auch so an gewissen Traditionen, das Christkind war ja schon was ganz besonderes in meiner Kindheit und diese Figur habe ich mir auch für meine Kinder gewünscht. Wahnsinn, wie groß die äußeren Einflüsse sind. Kann ich mich nicht mehr daran erinnern, oder habe ich mich als Kind auch schon darüber gewundert, dass zu Pelle und co. bei Astrid Lindgren der Weihnachtsmann kam und zu mir das Christkind?

In vielen Geschichten und Filmen zu Weihnachten geht es auch ums Geschenke kaufen. Ein weiterer Aspekt, bei dem ich jedes Mal die Luft anhalte. Aber Helen, obwohl sie intensiv zuhört, erschüttert dies nicht in ihrem Glauben, dass ihre Geschenke von einem wundersamen Wesen gebracht werden.

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In der „Welt“ habe ich zum Thema einen interessanten Artikel gelesen mit dem Titel „Vom Weihnachtsmann rate ich ab“. Hier spricht sich eine Theologin für Nikolaus und Christkind und gegen den Weihnachtsmann aus. Sie erklärt zunächst, dass der Glaube an „solche Wesen“ völlig ungefährlich ist und Kinder auch im Grundschulalter wunderbar mythische und rationale Denkelemente nebeneinander stehen lassen können. Die Entwicklungspsychologie hat sogar herausgefunden, dass wer zu früh über Mythen aufgeklärt wird, im Jugendalter öfter dazu neigt, den verfrühten Verlust dieser Naivität zu kompensieren und sich solche Menschen öfter extrem mythologischen Szenen zuwenden, bis hin zur okkulten Szene – okay, hätte ich jetzt nicht gedacht…

In der Vorpubertät muss laut der Theologin dann der Kinderglaube ins aufgeklärte Denken übersetzt werden, und da kommt dann der Haken beim Weihnachtsmann: Der Nikolaus hat ein historisches Vorbild im Bischof von Myra, steht für die große Aufgabe der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe und die Behauptung, er stecke Süßigkeiten in den Schuh, ist also kein reiner Schwindel, sondern eine anschauliche, kindgemäße Symbolisierung des Guten. Das Christkind besitzt eine Substanz, die auch dann erhalten bleibt, wenn der Kinderglaube verblasst: Die Geburt Christi ist für uns Menschen ein Geschenk und auf mythologisch-rituelle Weise setzt sich dieses Beschenktwerden alljährlich an Heiligabend fort. Das alles lässt sich wunderbar erklären.

Dem Weihnachtsmann jedoch fehlen historischer und mythologischer Kern, seine Geschichte kann man im Jugendalter nicht transformieren, also nicht ins aufgeklärte Denken integrieren und nicht mit Sinn befüllen.

Diesen Ansatz finde ich wirklich interessant und logisch, aber wirklich helfen tut er mir in der Praxis nicht – meine Tochter WILL aber an den Weihnachtsmann glauben und das ganz ohne mein Zutun.

Wie macht ihr das? Kennt ihr das Problem?

Also ihr Lieben, sofern ihr kleine Kinder zuhause habt, versteckt die Geschenke gut, nicht dass auch noch der Mythos vom Weihnachtsmann-Christkind-Gespann ins Wanken gerät – oder wer auch immer bei euch die Geschenke bringt.

Alles Liebe,

eure Elli

 

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